Steigende Anforderungen an die Abwasserreinigung und neue Vorgaben zur Energieneutralität verändern die Rahmenbedingungen für Kläranlagen grundlegend. Der Energiebedarf wächst – und gleichzeitig steigt der Druck, diesen zunehmend aus eigener, erneuerbarer Produktion zu decken.
Zwischen Reinigungsleistung und Energiebedarf
Kläranlagen stehen heute vor einer grundlegenden Transformation. Neben der sicheren und effizienten Abwasserbehandlung rücken zunehmend neue Anforderungen in den Fokus – sowohl technisch als auch regulatorisch.
Im Zentrum stehen dabei aktuell insbesondere Massnahmen wie die Einführung der vierten Reinigungsstufe. Sie leisten einen wichtigen Beitrag zum Gewässerschutz, sind jedoch gleichzeitig mit einem deutlich erhöhten Energiebedarf verbunden. Damit verändert sich die Ausgangslage für Betreiber spürbar: Die Anlagen werden komplexer – und energieintensiver.
Neue regulatorische Anforderungen durch die KARL-Richtlinie
Parallel dazu setzt die neue EU-Kommunalabwasserrichtlinie (KARL) einen klaren Rahmen für die zukünftige Energieversorgung. Sie verpflichtet Mitgliedstaaten dazu, die Energieversorgung von Kläranlagen schrittweise auf erneuerbare Quellen umzustellen.
Bis 2045 soll der gesamte Energiebedarf durch erneuerbare Energie gedeckt werden¹. Dabei steht nicht der Bezug von Energie im Vordergrund, sondern deren Erzeugung – entweder direkt vor Ort oder im Auftrag der Betreiber².
Wenn zwei Entwicklungen zusammenkommen
Diese beiden Entwicklungen wirken gleichzeitig – und verstärken sich gegenseitig. Auf der einen Seite steigt der Energiebedarf durch neue Reinigungsanforderungen. Auf der anderen Seite wächst der Anspruch, diesen Bedarf zunehmend aus eigener, erneuerbarer Produktion zu decken.
Für Betreiber entsteht daraus eine neue Dynamik: Energie wird zu einem zentralen Bestandteil der Anlagenplanung und des laufenden Betriebs.
Grenzen bestehender Energiequellen
Bestehende Lösungen wie Photovoltaik oder biogasbasierte Systeme leisten bereits heute einen wichtigen Beitrag zur Eigenversorgung. Gleichzeitig stossen sie in vielen Fällen an praktische Grenzen.
Flächenverfügbarkeit, standortspezifische Potenziale und die zeitliche Verfügbarkeit der Energie beeinflussen die tatsächliche Leistungsfähigkeit dieser Systeme. Damit wird deutlich, dass zusätzliche Ansätze erforderlich sind, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden.
Energieerzeugung wird Teil der Infrastruktur
Vor diesem Hintergrund verändert sich die Rolle der Energie innerhalb von Kläranlagen. Sie wird nicht mehr nur optimiert, sondern gezielt aufgebaut.
Kläranlagen entwickeln sich damit zunehmend von reinen Energieverbrauchern zu integrierten Energiesystemen, in denen Erzeugung, Verbrauch und Steuerung zusammengedacht werden.

Windenergie als ergänzender Baustein
Ein möglicher Ansatz liegt in der Ergänzung bestehender Systeme durch Windenergie. Sie bringt eine zusätzliche zeitliche Dimension in die Energieerzeugung ein und kann insbesondere in Phasen beitragen, in denen andere Quellen weniger verfügbar sind.
Dadurch entsteht ein ausgewogeneres Gesamtprofil der Energieproduktion – eine wichtige Voraussetzung für eine stabile und planbare Energieversorgung.
Vertical Sky®: Erweiterung der lokalen Energieproduktion
Mit Vertical Sky® verfolgt Agile Wind Power den Ansatz, die lokale Energieerzeugung gezielt zu erweitern. Die Technologie ist darauf ausgelegt, sich in bestehende Infrastrukturen zu integrieren und einen messbaren Beitrag zur erneuerbaren Energieproduktion zu leisten.
Für Betreiber bedeutet dies eine zusätzliche Option, um den steigenden Anforderungen gerecht zu werden – sowohl im Hinblick auf den Energiebedarf als auch auf die regulatorischen Zielvorgaben.
Wirtschaftlichkeit und regulatorische Einordnung
Die Erweiterung der lokalen Energieproduktion eröffnet auch wirtschaftliche Perspektiven. Eine höhere Eigenversorgung kann dazu beitragen, externe Strombezüge zu reduzieren und die Planbarkeit der Energiekosten zu verbessern.
Gleichzeitig gewinnen Nachweisbarkeit und Dokumentation an Bedeutung. Energieaudits und Reporting werden künftig zentrale Instrumente sein, um Fortschritte zu belegen und Massnahmen zu bewerten³.
Vom Verbraucher zum integrierten Energiesystem
Die Entwicklung zeigt klar: Kläranlagen werden sich in den kommenden Jahren weiter verändern. Die Kombination verschiedener Technologien – abgestimmt auf Standort, Bedarf und regulatorische Anforderungen – wird dabei entscheidend sein.
Energie wird zu einem integralen Bestandteil der Infrastruktur und der strategischen Planung.
Ausblick: Systemlösungen werden entscheidend
Die Herausforderung liegt nicht in einzelnen Anforderungen, sondern im Zusammenspiel mehrerer Entwicklungen. Steigender Energiebedarf, regulatorische Zielvorgaben und wirtschaftliche Rahmenbedingungen greifen ineinander.
Lösungen, die dieses Zusammenspiel berücksichtigen, werden zunehmend an Bedeutung gewinnen. Windenergie kann dabei eine wichtige Rolle übernehmen – als Ergänzung bestehender Systeme und als Baustein für eine zukunftsfähige Energieversorgung.
Quellen:
¹ Europäische Union (2024): Richtlinie (EU) 2024/3019 über die Behandlung von kommunalem Abwasser (Neufassung), Artikel 11 – Energieneutralität
² Europäische Union (2024): Richtlinie (EU) 2024/3019, Artikel 11 – Anforderungen an die Erzeugung erneuerbarer Energie („by/on behalf“)
³ Europäische Union (2024): Richtlinie (EU) 2024/3019, Artikel 11 und 22 – Energieaudits, Monitoring und Reportingpflichten
